Glasmatte, Glasgewebe, Glasgelege oder Rovinggewebe ?

kurz und knapp:

 

Anwendungsgebiet Glasmatte

  • Verarbeitung mit Polyesterharz
  • gute Verformbarkeit
  • mäßige Festigkeit

Anwendungsgebiet Glasgewebe

  • Verarbeitung mit Epoxidharz und Polyesterharz
  • gute bis mäßige Verformbarkeit (je nach Stärke und Webart)
  • hohe Festigkeit

Anwendungsgebiet Glasgelege

  • Verarbeitung mit Epoxidharz und Polyesterharz
  • mäßige Verformbarkeit
  • sehr hohe Festigkeit

Anwendungsgebiet Rovingewebe

  • Verarbeitung mit Polyesterharz im Verbund mit Glasmatten
  • schlechte Verformbarkeit
  • hohe Festigkeit

 

Hintergrund

 

Glasmatte

Glasmatte besteht aus ca. 50 mm langen, regellos angeordneten Glasfasern, die mit einem in Styrol löslichen Binder verklebt sind. Nach der Tränkung mit Polyesterharz wird der Binder aufgelöst und die Matte kann gut verformt werden.

Durch die kurzen, regellos angeordneten Glasfasern ist zur Tränkung der Glasmatte relativ viel Polyesterharz nötig, so daß der Glasanteil im fertigen Laminat relativ gering  ist (30 bis 35%). Aus diesem Grund ist die Festigkeit eines Laminates aus Glasmatten nur mäßig.

Da Epoxidharz kein Styrol enthält, kann es den Binder der Glasmatte nicht auflösen, so daß die Glasmatte sehr steif bleibt. Zusätzlich haftet das Epoxidharz nicht optimal an der Glasfaser, da diese für die Haftung von Polyesterharz optimiert ist. Eine Verwendung mit Epoxidharz kann daher nicht empfohlen werden.

 

Glasgewebe

Glasgewebe besteht aus dünnen, endlosen Glasfilamenten, die miteinander verwebt sind.

Je nach Webart können Glasgewebe gut (Köper) bis mäßig (Leinwand) verformt werden.

Unsere Glasgewebe sind mit einer Schlichte versehen, die die Haftung des Harzes an der Glasfaser optimiert.

Durch die langen Glasfasern kann der Harzanteil im Laminat relativ gering (ca. 50%) sein. Dadurch wird bei Laminaten aus Glasgeweben eine hohe Festigkeit erreicht.

Bei der Verwendung von Polyesterharz mit Glasgewebe empfehlen wir die wechselnde Verwendung von Glasgeweben und Glasmatten, da die Klebkraft von Polyesterharz zur sicheren Verbindung von Glasgewebelagen untereinander evtl. nicht ausreicht. Dadurch besteht bei hohen Belastungen die Gefahr der Delamination.

 

Glasgelege

Glasgelege bestehen aus Strängen parallel angeordneter Glasfasern, die parallel nebeneinander angeordnet und in der Regel in mehreren Schichten miteinander vernäht sind. Bei unserem biaxialen Gelegen sind 2 Lagen Glasfasern in einem Winkel von 90 Grad (+45 Grad und –45 Grad) angeordnet.

Durch das Vernähen der Glasstränge und die hohen Materialstärken sind die Gelege nur begrenzt verformbar.

Aufgrund der parallel zueinander liegenden Fasern und der fehlenden Kreuzungspunkte haben Laminate aus Glasgelegen eine sehr hohe Festigkeit und benötigen relativ wenig Harz zur Tränkung, so daß leichte Laminate mit sehr hoher Festigkeit hergestellt werden können.

Bei der Verwendung von Polyesterharz mit Glasgelegen empfehlen wir die wechselnde Verwendung von Glasgeweben und Glasmatten, da die Klebkraft von Polyesterharz zur sicheren Verbindung der Glasgewebelagen untereinander evtl. nicht ausreicht. Dadurch besteht bei hohen Belastungen die Gefahr der Delamination.

Sowohl mit Epoxidharzen als auch mit Polyesterharzen (im Verbund mit Glasmatte) kann mit Gelege das Laminat mit der höchsten Festigkeit hergestellt werden.

 

Rovinggewebe

Rovinggewebe bestehen aus relativ dicken Rovingsträngen, die miteinender verwebt sind. Durch die dicken Rovings und die enge Verwebung ist es nur schlecht verformbar.

Durch die langen Glasfasern kann der Harzanteil im Laminat relativ gering (ca. 50%) sein. Dadurch wird bei Laminaten aus Rovinggeweben eine hohe Festigkeit erreicht.

In der Regel wird Rovinggewebe zusammen mit Glasmatten und Polyesterharz zur Herstellung dicker, gering verformter Bauteile verwendet.

Da Rovinggewebe für die Haftung von Polyesterharz optimiert ist, kann eine Verwendung mit Epoxidharz nicht empfohlen werden.